Ist die Pflegeversicherung noch zu retten?
Die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung verändert sich seit langem in bedenklicher Weise. Während einerseits immer weniger Kinder geboren werden, sorgt der hohe Lebensstandard und flächendeckende medizinische Versorgung auf hohem Niveau dafür, dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Zumindest letztere Nachricht ist durchaus erfreulich, hat jedoch im Zusammenhang mit der zuerst erwähnten Entwicklung gravierende Folgen für die Sozialsysteme. Das immer höhere Durchschnittsalter bedingt, dass auch immer mehr Senioren in ihren letzten Lebensjahren auf fremde Hilfe angewiesen sind. Auch das beste Gesundheitssystem kann gegen Gebrechlichkeit und alle sonstigen natürlichen Alterserscheinungen nichts tun – irgendwann nimmt die Natur ihren Lauf. Solange auf der anderen Seite der so genannten Alterspyramide eine breite Basis junger Menschen aufwuchs, die als Erwachsene einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgingen, konnten die Sozialkassen die Folgen des Alters problemlos finanzieren. Aber nicht nur der fehlende Nachwuchs, auch die wirtschaftliche Entwicklung und nicht zuletzt die Globalisierung sorgten bislang für viele Jahre für eine sehr hohe Arbeitslosigkeit mit der Folge, dass es den Kassen an Einnahmen fehlte. Auch mit der augenblicklich scheinbar günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt kann nicht wirklich Abhilfe geschaffen werden, da viele der neuen Jobs schlecht bezahlt sind oder gar sozialversicherungsfrei.Die Problematik hat der Gesetzgeber schon lange erkannt und die Pflegeversicherung eingeführt. Diese krankt zwar auch an ihrer Finanzierungsbasis – auch sie wird von den Arbeitnehmer getragen, mit den entsprechenden Konsequenzen bei niedrigen Löhnen und Erwerbsquote. Dennoch schafft sie eine grundlegende Absicherung für den Pflegefall. Diesem System droht jedoch die gleiche Gefahr wie etwa der Rentenkasse. Gibt es in der demografischen Entwicklung keine einschneidende Wende, werden in etwas vierzig Jahren einhundert Arbeitnehmer nicht nur fast sechzig Rentner, sondern auch fünfundzwanzig Pflegefälle finanzieren müssen. Sozialabgaben in dieser Höhe sind jedoch ganz klar ausgeschlossen, da sie einen ökonomische Katastrophe wären.
Ein Ausweg aus der drohenden Krise sehen Experten in einer privat finanzierten Pflegeversicherung, die nach deren Ansicht verpflichtend sein sollte. Demnach soll die Pflege den gleichen Weg nehmen wie die Rente. Die solidarische Umlage wird durch individuelle Vorsorge ersetzt. Bleibt die Frage zu klären, wie der wachsende Anteil der Erwerbstätigen mit niedrigen Einkommen, die kaum mehr zum Überleben reichen, all die Vorsorgeversicherungen bezahlen soll.
jetzt kommentieren? 22. Mai 2008