Tagesarchiv für den 22. Mai 2008

Ist die Pflegeversicherung noch zu retten?

Die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung verändert sich seit langem in bedenklicher Weise. Während einerseits immer weniger Kinder geboren werden, sorgt der hohe Lebensstandard und flächendeckende medizinische Versorgung auf hohem Niveau dafür, dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Zumindest letztere Nachricht ist durchaus erfreulich, hat jedoch im Zusammenhang mit der zuerst erwähnten Entwicklung gravierende Folgen für die Sozialsysteme. Das immer höhere Durchschnittsalter bedingt, dass auch immer mehr Senioren in ihren letzten Lebensjahren auf fremde Hilfe angewiesen sind. Auch das beste Gesundheitssystem kann gegen Gebrechlichkeit und alle sonstigen natürlichen Alterserscheinungen nichts tun – irgendwann nimmt die Natur ihren Lauf. Solange auf der anderen Seite der so genannten Alterspyramide eine breite Basis junger Menschen aufwuchs, die als Erwachsene einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgingen, konnten die Sozialkassen die Folgen des Alters problemlos finanzieren. Aber nicht nur der fehlende Nachwuchs, auch die wirtschaftliche Entwicklung und nicht zuletzt die Globalisierung sorgten bislang für viele Jahre für eine sehr hohe Arbeitslosigkeit mit der Folge, dass es den Kassen an Einnahmen fehlte. Auch mit der augenblicklich scheinbar günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt kann nicht wirklich Abhilfe geschaffen werden, da viele der neuen Jobs schlecht bezahlt sind oder gar sozialversicherungsfrei.Die Problematik hat der Gesetzgeber schon lange erkannt und die Pflegeversicherung eingeführt. Diese krankt zwar auch an ihrer Finanzierungsbasis – auch sie wird von den Arbeitnehmer getragen, mit den entsprechenden Konsequenzen bei niedrigen Löhnen und Erwerbsquote. Dennoch schafft sie eine grundlegende Absicherung für den Pflegefall. Diesem System droht jedoch die gleiche Gefahr wie etwa der Rentenkasse. Gibt es in der demografischen Entwicklung keine einschneidende Wende, werden in etwas vierzig Jahren einhundert Arbeitnehmer nicht nur fast sechzig Rentner, sondern auch fünfundzwanzig Pflegefälle finanzieren müssen. Sozialabgaben in dieser Höhe sind jedoch ganz klar ausgeschlossen, da sie einen ökonomische Katastrophe wären.

Ein Ausweg aus der drohenden Krise sehen Experten in einer privat finanzierten Pflegeversicherung, die nach deren Ansicht verpflichtend sein sollte. Demnach soll die Pflege den gleichen Weg nehmen wie die Rente. Die solidarische Umlage wird durch individuelle Vorsorge ersetzt. Bleibt die Frage zu klären, wie der wachsende Anteil der Erwerbstätigen mit niedrigen Einkommen, die kaum mehr zum Überleben reichen, all die Vorsorgeversicherungen bezahlen soll.

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Sparen für die Rente – aber nicht jetzt

Jahrelange Aufklärung und ungezählte Medienberichte haben in einer breiten Bevölkerungsschicht das Bewusstsein geschaffen, dass die gesetzliche Rente in den meisten Fällen nicht ausreichen wird, um ein sorgloses Leben im Alter zu führen. Ganz im Gegensatz zu dieser weit verbreiteten Erkenntnis steht die Quote derer, die tatsächlich für das Alter privat vorsorgen. So hat noch kaum ein Viertel der Berechtigten einen Riester-Vertrag abgeschlossen, bei anderen Altersvorsorgeinstrumenten sieht es ähnlich aus.Interessanter Weise ist jedoch die finanzielle Potenz der Haushalte beziehungsweise Personen nicht das entscheidende Kriterium, das den Ausschlag gibt ob gespart wird oder nicht. Neben Haushalten, bei denen es schlicht an den Geldmitteln für eine Sparleistung fehlt und solchen, die ohnehin über Vermögen verfügen, gibt es auch eine sehr große Gruppe, die sich eine Vorsorge eigentlich problemlos leisten könnte, es aber nicht tut.

Eine aktuelle Untersuchung hat sich dieses Phänomens angenommen und die Gründe für diesen offenkundigen Widerspruch ermittelt. Einer liegt greifbar nahe und ist wohl jedem bekannt, der sich je mit dem Thema private Altersvorsorge beschäftigt hat. Die Möglichkeiten sind so umfangreich, dass man erst einmal viel Zeit investieren muss, um sich überhaupt einen Überblick zu verschaffen. Auch sind die staatlichen Instrumente für die Alterssicherung nicht ohne weiteres zu verstehen. Wie eine Riester-Rente funktioniert und ob sie sich im Einzelfall rechnet, dass muss man erst einmal herausfinden. Ob man dann nach langer Suche auch das optimale Angebot heraus gesucht hat, bleibt stets ungewiss. Diese Ungewissheit ist ein Hindernis, sich überhaupt mit dem Thema auseinander zu setzen.

Die meisten Menschen können sich auch nur schwer vorstellen, dass sich ihre aktuellen Lebensumstände wesentlich ändern könnten. Das theoretische Wissen, dass man, unternimmt man nichts, im Rentenalter auf viel Komfort wird verzichten müssen, ist einfach zu abstrakt, um zum Handeln zu motivieren.

Aus diesen Gründen bleibt trotz besserer Einsicht allzu oft das entscheidende Handeln aus, ein Versäumnis, das man später gewiss bereuen wird.

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