Tagesarchiv für den 18. Juni 2008
Was man vielleicht schon instinktiv vermutet hätte, belegt nun eine kürzlich durchgeführte Studie zur Beratungsqualität für Produkte zur Altersvorsorge. Im Ergebnis scheidet der Bankberater dabei deutlich besser ab als der Versicherungsvertreter.Anlass der Studie war es festzustellen, ob die neue Richtlinie der europäischen Union für das Vermittlungswesen einen qualitativen Einfluss auf die Beratung ausgeübt hat. Die bereits dreimal zuvor gemachte Studie hat diesem Daten von über sechshundert Beratungsgesprächen bei fast dreissig Instituten erfasst und bewertet. Dabei wurde sowohl die Beratung für Selbstständige als auch für Angestellte getestet.
Die Richtlinie spielte bei den Testgesprächen allerdings nur selten eine Rolle. Zwar bemühten sich alle, die vielfältigen Informationen, die sie verpflichtet sind zu geben, dem Kunden zukommen zu lassen. Allerdings geschah dies in der Regel nicht durch eine zusammenfassende Erklärung, sondern durch Übergabe von sehr voluminösen Unterlagen, aus denen der Kunde sich diese Infos selbst zusammen suchen muss. Die häufig eingesetzten Computerprogramme zur Unterstützung des Gesprächs schufen da keine Abhilfe.
Fast die Hälfte der Verkäufer machte sich gar keine Notizen zum Gespräch, wozu er eigentlich verpflichtet ist. Nur ein Bruchteil erhielt im Anschluss eine Dokumentation der Beratung, bevor er den Vertrag unterschreiben sollte.
Ob der Kunde richtig beraten wurde, hängt nach wie vor vom Zufall ab. Nur etwa ein Drittel der getesteten Unternehmen analysierte die Verhältnisse des Ratsuchenden einigermassen umfassend. Ob man gerade bei einem dieser Unternehmen landet bleibt reine Glücksache; andernfalls legt man seine Altersvorsorge möglicherweise in die falschen Hände oder wählt ungeeignete Produkte.
Die Banken liegen in der Qualität leicht vor den Versicherungen, obwohl sie sich insgesamt nur um wenige Prozentpunkte unterscheiden.
Riester, – und Rürup – Rente wurden weitgehend der richtigen Zielgruppe empfohlen. Allerdings nicht alle Banken und Versicherungen machen ihre potentiellen Kunden auf die staatlichen Zuschüsse zur Altersvorsorge aufmerksam. Dort wo dies geschehen ist, wurde aber das richtige Produkt für Angestellte und Selbständige angepriesen.
18. Juni 2008
Altersvorsorge hat nicht nur etwas mit Rente und Finanzen zu tun, sondern ist ein Prozess, der sich durch alle Lebensphasen zieht und in jeder einzelnen Phase besondere Anforderungen an den Einzelnen stellt. Denn es gehört auch zu einem erfüllten und glücklichen Dasein als späterer Rentner, dass man sein Leben auch genossen und augefüllt hat. Versäumt man einzelne oder gar alle Abschnitte des eigenen Daseins voll auszukosten, wird man im Alter auch mit guter finanzieller Versorgung mit Reue verpassten Chancen nachtrauern, statt dieses Stadium voll geniessen zu können.Altersvorsorge bedeutet also, in jedem Lebensalter alles zu tun, damit der nächste Abschnitt zu seinem Recht kommt und voll gelebt werden kann. Das fängt schon als Jugendlicher an, wenn man sich selbst beginnt kennen zu lernen und sich langsam aber sicher von seinen Eltern zu lösen beginnt. Diese Loslösung muss gelingen, will man nicht den Rest seines Lebens an dieser Nabelschnur hängen bleiben. Auch Chaos gehört zu diesem Lebensabschnitt dazu, das man einfach akzeptieren sollte. Ab dem zwanzigsten Lebensjahr beginnt man, sich privat und beruflich zu etablieren. Hier gilt es den Spagat zu meistern, sowohl sein Beziehungsleben als auch die Erfordernisse von Ausbildung und beruflichem Aufstieg unter einen Hut zu bringen. Hier bleiben viele Beziehungen aus der Jugendzeit auf der Strecke, daher muss man nun, will man nicht in die Einsamkeit abgleiten, neue dauerhafte Kontakte knüpfen. Ab Dreissig haben die meisten, wenn es gut läuft, den Schritt geschafft und sowohl eine Familie gegründet als auch ihren beruflichen Werdegang eingeschlagen und sich etabliert. Zwar ist es für das Wohlbefinden und die Gesundheit günstig, lebt man in einer Partnerschaft; allerdings sollte dies auch harmonisch und bereichernd sein, sonst schlägt der Effekt ins Gegenteil um. In dieser Lebensphase versucht man etwas zu hinterlassen, sei es, dass man die eigenen Vorstellungen an den Nachwuchs weiter gibt, sei es, dass man beruflich etwas aussergewöhnliches leistet, dass die Generationen überdauern soll. Ab Vierzig merkt man langsam, dass man älter wird und erkennt vielleicht, dass es noch einiges zu tun gibt im Leben, das man nicht versäumt haben will. Die Kinder sind in der Regel jetzt erwachsen, was heisst, dass man nun mit seinem Partner alleine zurück bleibt. Diese Herausforderung gilt es zu meistern, damit die Beziehung nicht daran zerbricht. Ab Fünfzig besinnt man sich oft auf seine Wurzeln und ordnet das eigenen Leben in den Kontext der Generationen. Das fällt leichter, wenn man hin nimmt, das man das Alter nicht aufhalten kann. Gelingt dies, hat man auch ab dem Sechzigsten keine Probleme damit, das Leben mit immer mehr Gelassenheit zu nehmen. Ganz wichtig ist im Alter, dass man ein soziales Netz zur Verfügung hat, das man sich in den Jahrzehnten zuvor aufgebaut haben muss. Nichts ist verheerender für Gesundheit und Wohlbefinden, als Einsamkeit im Alter.
18. Juni 2008
Schon zu Adenauers Zeiten gab es warnende Stimmen, die die Finanzierbarkeit der deutschen Rentenversicherung in Frage stellten. Es half aber nichts, die staatliche Altersvorsorge wurde auf das heutige Prinzip der Umlage umgestellt und an die Lohnentwicklung gekoppelt. Dieses Prinzip funktionierte leidlich, solange die wirtschaftliche Entwicklung gut und die Demoskopie erwartungsgemäss verlief. Aber wie man an der problematischen Diskussion anlässlich der letzten Rentenerhöhung wieder einmal ablesen konnten, krankt das System an einem falschen Ansatz.Die Unterfinanzierung der deutschen Rentenversicherung war schon seit seit langem voraus zusehen; dies lässt sich leicht dem jedes Jahr zu erstellenden Bericht zum Zustand der Rentenkasse ablesen. Schon unzählige Male wurden Diskussionen zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung angestossen, aber niemals im nötigen Umfang durchgesetzt, aus Angst, allzu viele Wähler damit zu verprellen. Vielmehr wurde wider besseres Wissen die Parole ausgegeben, die Rente sei sicher. An den obligatorischen Finanzprognosen, die der jährliche Rapport enthalten muss, ist die dramatische Entwicklung der Altersversorgung leicht abzulesen. Nur mit Zuschüssen aus Steuergeldern lässt sich das vorgeschriebenen Mindestniveau langfristig noch halten. Da sich Beitragserhöhungen nicht beliebt durchsetzten lassen stellt sich die Frage, ob das Mindestniveau der Rente sich dauerhaft halten lässt.
Um dem entgegen zu wirken, wurden etwa das Renteneintrittsalter kontinuierlich erhöht, was letztendlich auf eine Rentensenkung hinausläuft, wenn man seine Altersrente insgesamt kürzer bezieht. Schon heute ist aber absehbar, dass damit das Problem nicht gelöst ist. Vielmehr wird die zur Zeit im Berufsleben stehende Beitragszahler zwar immer stärker belastet, obwohl ihr Rentenanspruch zwangsläufig wesentlich geringer sein wird als der heutiger Rentner mit vergleichbaren Einzahlungsleistungen.
Ein erster Ansatz zu einem Systemwechsel war die Einführung der so genannten Riester – Rente, die genauso wie die betriebliche Altersversorge auf dem Kapitaldeckungsverfahren beruht. Zwar erhält der Sparer staatliche Zuschüsse beziehungsweise steuerliche Vergünstigungen, seine Rente erhält er aber aus dem von ihm angesparten Kapital, nicht aus den Leistungen der berufstätigen Beitragszahler. Eine langfristige Lösung des Rentenproblems liegt aus heutiger Sicht im Ausbau kapitalgedeckter Vorsorgemassnahmen zum Ausgleich der dauerhaft sinkenden staatlichen Altersrente.
18. Juni 2008