Sozialsysteme in der Kritik
In den letzten Jahren mussten die Deutschen eine Vielzahl von Reformen über sich ergehen lassen. Einen Großteil davon betraf die Sozialsystem, die mit Renten,- und Gesundheitsreformen an die neue Zeit angepasst werden sollten. Auch Harz IV stammt aus dieser Reformzeit. Die Sozialsysteme sollten dadurch nicht nur bezahlbarer, sondern auch gerechter und effizienter werden. Ob dies gelungen ist, darüber mag man streiten. Ob die Bürger mit dem neuen Zustand glücklich sind, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Um genau diese Frage zu klären, hat man die Stimmung in einer umfangreichen Befragung erfasst. Das Ergebnis ist jedoch für die Verantwortlichen der Reformpakete wenig erbaulich, denn nie war die Bevölkerung mit dem sozialen Netz unzufriedener als zum jetzigen Zeitpunkt.Bei der Befragung wurde den Bürgern eine Skala vorgelegt, auf der sie eine Bewertung von eins bis zehn zu der jeweiligen Frage abgeben konnten. Die Gesamtnote, die die sozialen Systeme dabei erhalten haben, liegt fast genau in der Mitte, beim Wert Fünf, wobei die Note im Osten noch etwas schlechter ausfällt als im Westteil der Republik. Aber nicht nur die Sozialsysteme, sondern auch andere wichtige öffentliche Bereiche schnitten insgesamt schlecht ab. So sind die Bürger mit dem Zustand des Bildungssystems genauso wenig einverstanden wie mit ihrer persönlichen wirtschaftlichen Lage. Da wir Deutschen ja bekanntlich keine ausgeprägten Optimisten sind, verwundert es nicht, dass hier die Noten noch etwas schlechter ausfallen als bei unseren europäischen Nachbar. Ganz besonders unzufrieden sind die Bürger übrigens mit dem System der gesetzlichen Rentenversicherung. Von Gedanken an eine sichere Rente hat sich die Mehrheit inzwischen verabschiedet, was wohl auch eine sehr realistische Einschätzung der tatsächlichen Lage ist.
Die gesetzliche Rentenversicherung kann zwar im Augenblick ihre Rücklage etwas aufstocken, da die Arbeitslosenquote im Verhältnis zu den Vorjahren relativ niedrig ist. Von einer Senkung der Beiträge zur Rentenversicherung sind wird deshalb aber trotzdem noch weit entfernt. Langfristig, als in etwa zehn bis fünfzehn Jahren, rechnet die Politik jetzt schon mit einem Beitrag, der noch höher als der aktuelle ist, selbst wenn zwischenzeitlich eine Senkung erfolgen sollte. Die Rente deckt auch bei immer weniger Rentner den tatsächlichen finanziellen Bedarf, eine Entwicklung, die sich noch erheblich verstärken wird. In fünfzehn Jahren soll der Anteil der gesetzlichen Rente an bei den Altersbezügen deutlich unter die Fünfzig – Prozent – Marke rutschen.
Kein Wunder, dass sich immer weniger Bürger auf dieses System der Altersvorsorge verlassen. Nur noch etwa fünfundzwanzig Prozent bauen allein auf die gesetzliche Rente, wenn es um die finanzielle Versorgung im Ruhestand geht.
Je geringer das persönliche Einkommen ist, desto größer wird auch die Unzufriedenheit mit den Sozialsystemen. Dabei ist gerade die Generation besonders betroffen, die im Augenblick die Hauptlast der Beiträge aufbringen muss.
Ein guten Teil der schlechten Stimmung kann man auf die Einkommensentwicklung zurückführen. Die Verteilung der Einkommen wird immer ungerechter; während die zehn Prozent Spitzenverdiener ihre Einnahmen ständig erhöhen können und ihr Vermögen ebenfalls überdurchschnittlich wächst, haben die zwanzig Prozent am unteren Ende der Skala immer weniger zum Leben übrig. Die so genannte Unterschicht, jedenfalls wenn man sie an Hand des Einkommens ermittelt, wächst also kontinuierlich.
Die Unzufriedenheit mit der persönlichen Situation und den staatlichen Leistungen hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Haltung zur Demokratie, die umso schlechter bewertet wird, je weniger Bildung und Einkommen die Befragten haben.
jetzt kommentieren? 30. November 2008