Rente bald nur noch für Greise

22.April 2008

Die so genannte Rentenreformen, die im Ergebnis nichts als Symptombehandlung an einem kaputten System sind, taugen immer wieder für neue Schreckensmeldungen. Hieß es noch vor wenigen Jahren, „die Rente ist sicher”, so kann man diesen Satz heute nur noch als Sarkasmus begreifen. Nicht genug, dass ein Grossteil der künftigen Renter wohl trotz langer Beitragszeiten kaum mehr als eine Grundsicherung für ihren Ruhestand erwarten dürfen, ist der neuste „Reform”-Vorstoß eine perfekte Werbung für die private Vorsorge. Die Bundesbank, ganz der volkswirtschaftlichen Theorie verhaftet, hält einen Renteneintritt mit 68,5 Jahren für eine gute Idee. Es geht wie immer uns Geld, nämlich um stabile Beiträge, die auf diese Weise zu erreichen wären. Niemand sollte sich aber deswegen auf seinen 68,5ten Geburtstag allzu sehr freuen: eine dynamische Anpassung des Rentenalters an die statistische durchschnittliche Lebenserwartung ist ebenfalls Teil dieses neuen Reformvorschlags. Grundlage dieser Berechnungen ist eine Kennziffer die aussagt, wie viele Beitragsjahre im Verhältnis zu einem Jahr Rentenbezug fallen. Bis 2050, so die Bundesbank, würde dieses Verhältnis auf einen Wert von 50 % steigen, also würden jedem Jahr Rentenbezug gerade zwei Beitragsjahre gegenüber stehen.

Die Ideen dieser Tage sind damit aber noch nicht erschöpft. Aus der politischen Ecke stammt der Vorschlag, die Rentenhöhe an die Beitragsjahre zu koppeln statt an die Beitragshöhe. Das geht zwar in die richtige Richtung, nämlich das man im Rentenalter unabhängig vom beruflichen Werdegang und vorhandenen oder nicht vorhandene Lebenschancen im Alter nicht auf Sozialhilfeniveau sollte existieren müssen, hat man ein Leben lang gearbeitet. Wie das finanziert werden soll, bleibt aber im Dunkeln; von den Beiträgen wohl nicht, die sollen ja stabil bleiben. Bliebe da nur die Möglichkeit, will man die Rente nicht, wofür es gute Gründe gäbe, von Steuergeldern bestreiten, möglichst allen den Zugang zu gut bezahlten Jobs zu ermöglichen. Wir sind auf weitere „Reform”vorschläge gespannt.

Artikel gespeichert unter: Altersvorsorge

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