Sind Frührentner der Normalfall?
16.September 2008
Glaubt man den Medien, hat die Erhöhung des Renteneintrittsalters keine große Auswirkung auf den tatsächlichen Renteneintritt, der angeblich im Durchschnitt mit einundsechzig Jahren erfolgen soll. Ob dies wirklich zutrifft oder ob es sich bei diesen Meldungen um Zeitungsenten handelt, bedarf der näheren Betrachtung.Zum einen muss man sich vor Augen führen, dass bereits seit geraumer Zeit das offizielle Rentenalter bei fünfundsechzig liegt. Wer früher seine Rente beantragt muss mit erheblichen und vor allem dauerhaften Abschlägen von seinem vollen Rentenanspruch leben. Dieser Abschlag bleibt auch nach dem Erreichen des regulären Renteneintrittsaltes erhalten. Nur Schwerbehinderte habe die Möglichkeit schon früher ohne Verluste in den Ruhestand zu gehen. Gerade diese Abschläge haben so manchen davon abgehalten, die Arbeit schon vorzeitig nieder zu legen. Immerhin sind pro Jahr das man früher geht, mehr als dreieinhalb Prozent Abzug fällig, eine erhebliche Summe, besonders wenn man ein eher niedrige Rente zu erwarten hat. In den letzten zehn Jahren ist daher das durchschnittliche Renteneintrittsalter um ein Jahr auf Dreiundsechzig gestiegen.
Die in den Medien verbreiteten Zahlen, dieser Durchschnitt läge bei runden zwei Jahren niedriger, gründen sich auf einer Berechnungsmethode, die das Ergebnis verfälscht. In dieser Zahl sind nämlich auch diejenigen Rentner enthalten, die auf Grund einer Erwerbsminderung in den Ruhestand gehen. Hier liegt das Eintrittsalter im Mittel bei nur fünfzig Jahren, wobei es leichte Abweichungen bei Männern und Frauen gibt. Zieht man diese Fälle mit in die Durchschnittsberechnung ein, erhält man tatsächlich einen Wert, wie er in der Presse oft verbreitet wird. Dies ist allerdings nicht nur ein Ärgernis und eine nachlässige Recherche, sondern hat durchaus ernste Konsequenzen. Gerade solche Meldungen haben dazu geführt, dass über eine Anhebung des Rentenalters erneut diskutiert wird. Es mehren sich die Stimmen, die jetzt gültige Grenze von siebenundsechzig Jahren nochmals anheben wollen. Dabei geht die Entwicklung eine ganz anderen Weg, wie die oben gezeigten Zahlen belegen.
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